Festivalgeschichte · Panne mit Folgen
Akte 1987: Die verschwundene Filmkopie
Tatort: Hamburg. Tatzeit: Herbst 1987. Vermisst: der geplante Eröffnungsfilm. Geschädigt: der Ablaufplan. Überraschende Ersatzdarstellerin: eine fleischfressende Topfpflanze.
Der erste Film wollte nicht mitmachen
Das erste Fantasy Filmfest sollte beginnen, doch die Kopie des vorgesehenen Eröffnungsfilms traf nicht rechtzeitig ein. Das ist bei einem Filmfestival ungefähr so günstig wie ein fehlender Bräutigam bei einer Hochzeit – allerdings lässt sich ein Bräutigam nur selten durch Little Shop of Horrors ersetzen.
Plan B hatte Zähne
Andere Veranstaltungen hätten nervöse Telefonate geführt, Entschuldigungszettel aufgehängt und anschließend kollektiv unter einem Tisch geweint. In Hamburg lief stattdessen ein Musical über eine Pflanze mit ausgeprägtem Appetit. Rückblickend war das weniger eine Notlösung als eine sehr präzise Festlegung der zukünftigen Marschrichtung.
Eine Panne mit erstaunlich guter Dramaturgie
Ein Festival für Filme, in denen Pläne regelmäßig entgleisen, begann also mit einem entgleisten Plan. Das Publikum bekam nicht das, was angekündigt war, sondern etwas Unerwartetes, Schräges und schwer einzuordnen. Vierzig Jahre später könnte man das beinahe für ein ausgearbeitetes Konzept halten.
Der ungelöste Fall
Was aus der ursprünglich geplanten Kopie wurde, wissen wir nicht. Vielleicht befindet sie sich noch immer auf dem Weg nach Hamburg. Vielleicht steht sie an einem falschen Bahnsteig. Vielleicht hat Audrey II sie gegessen. Entscheidend ist: Das Festival überlebte seinen ersten Abend und anschließend vier Jahrzehnte voller Zombies, Serienkiller und Filme, nach denen niemand mehr unbefangen eine Zimmerpflanze gießt.
FearScore-Fazit: Der Eröffnungsfilm kam nicht an. Das Fantasy Filmfest dafür umso mehr.
Quelle der historischen Begebenheit: offizieller Jubiläumskatalog des Fantasy Filmfests.